Holzfaserdämmstoffe  

Naturstoffbasierte Dämmstoffe haben viele Vorteile.
 
Holzdämmstoffe oder andere Dämmstoffe auf Naturfaserbasis wie Holzwolle, Holzfaserdämmplatten, Flachs, Zellulose und andere biobasierte Dämmstoffe konkurrieren heute mit Dämmstoffen auf Kunststoffbasis wie EPS, XPS, PUR sowie Dämmstoffen auf Mineralbasis wie Mineralwolle oder Steinwolle

Dämmstoffe und Klimaschutz 

 


Dämmung ohne Rücksicht auf das Klima ?


„Dämmung“ ist heute ein Zauberwort für den Klimaschutz. Meist sind dies jedoch Dämmstoffe, die externe Klima- und Umweltkosten nicht internalisiert haben (z.B. ökologischer Rucksack des Materials, Recyclingmöglichkeiten usw.). Einer dieser kostengünstigen Dämmstoffe, ist EPS geschäumtes Polystyrol („Styropor“).

Holzfaserdämmstoffe brauchen deutlich weniger Energie in der Produktion (9 MJ/kg) als Mineralwolledämmstoffe (27 MJ/kg) oder Kunststoffdämmstoffe (77 MJ/kg) bei vergleichbarer Dämmwirkung (FWI, 2012). Je dicker der zur Einhaltung der EnEV benötigte Dämmstoff sein muss, desto mehr Energie wird in der Produktion benötigt. Holzfaserdämmplatten verursachen CO2-Emissionen in der Produktion in Höhe von ca. 50 kg CO2-äq/m³ Dämmstoff, Mineralwolledämmstoffe zwischen 100 - 200 kg CO2-äq/m³ und Kunststoffdämmstoffe zwischen 50 und 200 kg CO2-äq/m³.

Das ist aber noch nicht alles, denn prinzipiell können bei Holzfaserdämmstoffen die Wege in den Stoffströhmen der Vorketten so weit verkürzt werden wie wohl bei nur wenigen anderen Dämmstoffgruppen, vor allem nicht bei Kunststoffdämmstoffen.


Auf die Herkunft und der Transporte in den Vorketten kommt es an bei allen Dämmstoffgruppen

Zu den Transporten innerhalb der Verarbeitungskette von Dämmstoffen liegen in der Regel kaum belastbare Informationen vor. 

 

In klassischen Ökobilanzen (EPD) wird hierzu produktunabhängig meist mit Standarddatensätzen mit 50 bis 350 km für die Vorketten gerechnet. Manche Studien rechnen sogar nur mit 75-200 km (IBU) bis 562 km (Thünen Institut). Aber selbst Werte von 500 bis 600 km unterschätzen wahrscheinlich die realen Warenströme, betrachtet man allein die Importe von Holzfasern und Restholz nach Deutschland.

 

Aber, alle Rohstoffe für Holzfaserdämmstoffe könnten prinzipiell innerhalb kurzer Wege besorgt werden, anders als beispielsweise bei ölbasierten Kunststoffdämmstoffen. Nach Deutschland werden pro Jahr eine beträchtliche Menge an Dämmstoffen auch importiert, nämlich 16.620 t Holzfaser-, 19.000 t Glas-, 133.693 Steinwolledämmstoffe sowie 151.271 t Polystyrol (2016). Ohne Herkunftsnachweise wie HOLZ VON HIER können im Bau und Innenausbau eingesetzte Produkte tausende von Transportkilometern zurückgelegt haben und das obwohl der Rohstoff an sich sehr regional zu beziehen wäre.

Zum Vergleich Kunststoffdämmstoffe und Mineralische Dämmstoffe Standarddatensätze aus Ökobilanzen (EPD) rechnen auch bei Kunststoff- und Mineralischen Dämmstoffen mit Standard-Datensätzen von 50 bis 350 km für die gesamten Vorketten.

 

Das kann allein wegen der beschriebenen Grundrohstoffe in diesen Produkten nicht realistisch sein. Auch hier wird die Bedeutung der Transporte für die Ökobilanz gewaltig unterschätzt. Dies soll anhand von Stoffstromindizien für Kunststoffdämmstoffe aufgezeigt werden.

  • Beispiel Grundrohstoff Öl. Deutschland hat 0,1 % der Weltvorkommen an Erdöl und entsprechend hoch sind allein die Transporte bei diesem Grundrohstoff aller Kunststoffprodukte.

  • Beispiel Kunststoffvorprodukte. Alle Vor- und Zwischenprodukte bis zu Kunststoffgranulaten und vor allem die Kunststoffgranulate selbst haben weltweite Stoffströme (China hat ca. 50 % Marktanteil). Z.B. jährliche Importe nach Deutschland: Polymere des Styrol 1 Mio. t, des Propylens 1,6 Mio. t und des Ethylens: 2,5 Mio. t.

 

 

Klimafreundlich Bauen heißt aber mehr als einen bestimmten Uw-Wert einhalten

Soll heute ein Betonbau heute möglichst billig sein wird meist eine Kunststoffdämmung an der Außenwand angebracht, oft verklebt. In einem massiven Holzhaus ist eventuell (muss nicht) das Grundmaterial etwas teurer, man braucht aber sher oft weniger Dämmung, um den gleichen Uw-Wert zu erreichen. Die Endkosten bezogen auf das System Wand-Dämmung-Fassade sind oft vergleichbar. Die Ökobilanz keinesfalls! In in ihrem Dämmverhalten in der Nutzungsphase unterscheiden sich die meisten modernen Dämmstoffe heute kaum noch. In ihren Vorketten unterscheiden sie sich jedoch erheblich. Hier drei wichtige Dämmstoffgruppen im Kurz-Vergleich.

(1) Nawaro-Dämmstoffe (Zellulose, Holzfaser)  haben eine Wärmespeicherkapazität von 2.000 - 2.100 [J(kg/k)] und eine Wärmeleitfähigkeit von 0,04 - 0,045 [W/mK]. (2) Kunststoff-Dämmstoffe (EPS, XPS, PUR) haben eine Wärmespeicherkapazität von 1.300 - 1.500 [J(kg/k)] und eine  Wärmeleitfähigkeit von 0,035 - 0,05 [W/mK]. (3) Mineralfaserdämmstoffe wie Glas- oder Steinwolle haben eine Wärmespeicherkapazität 800 - 900 [J(kg/k)] und eine Wärmeleitfähigkeit von 0,035 - 0,05 [W/mK].

Vergleich: Preis pro Dämmwirkung


Warum man künstliche Dämmstoffe heute in dem Maße den natürlichen („Nawaros“) vorzieht ist nur auf den ersten Blick der günstigere Preis. Aber ein Materialpreis pro m3 oder m2 sagt eigentlich nichts aus, es kommt ja auf die eingekaufte Dämmwirkung. Richtiger ist ein Kostenvergleich: Kosten pro m2 bezogen auf die Dämmwirkung bei gleichen Dämmfaktoren [W/mk] für alle Materialien. Hier wird schnell deutlich: die Naturmaterialien schneiden auch hier gut ab. Bei  Dach- oder Zwischensparrendämmung ist lose Zellulose statt Mineralwolle oder Kunststoff sogar kostengünstiger.  


Bei der Fassadendämmung sind Holzfaserdämmplatten meist etwas teurer als Glaswolle oder EPS. Bei 100 m2 Fassadenfläche sind dies bei Dämmkosten von ca. 16.000 € (Glaswolle) oder 17.000 € (EPS) für Holzdämmstoffe Mehrkosten von <1.000-3.000 €. Dieser Mehrpreis beinhaltet aber auch deutlich mehr Verbraucherschutz und Klimaschutz. Hinzu kommt, dass man auf einen niedrigeren Wert kommt, wenn man bei der Planung Wand-Dämmung-Fassade als Einheit betrachtet.  

Holzfaserdämmstoffe können auch in der Nachnutzung punkten


Nachwachsende Rohstoffe können heute sehr gut recycelt werden und stehen dann wieder für die energetische oder stoffliche Nachnutzung zur Verfügung.

Kunststoffdämmstoffe werden dagegen heute nahezu ausschließlich in der Müllverbrennungsanlage verwertet und mineralische Dämmstoffe können heute in der Regel nur auf der Deponie entsorgt werden.